Das Phantom der Oper

-Ein unvergesslicher Musicalabend-


Die Musik der Nacht

Nachts erwachen alle deine Sinne;
Träume wachsen, Zweifel halten inne.
Frei von Ängsten steigen,
Gefühle aus dem Schweigen.

Fühl den dunklen Schleier der dich streichelt,
faß ihn, spür ihn, wie er dich umschmeichelt.
Schütze dein Gesicht,
vor dem grellen Tageslicht.
Denk an nichts mehr was die Seele traurig macht,
und höre nur noch die Musik der Nacht.

Schließ die Augen und gib dich deiner Sehnsucht hin.
Flieh weit fort vor dem Zweifel und dem Tag.
Schließ die Augen und schweb im Geist davon,
und verliehr dich im Reich der Illusion.

Leise wird Musik in dir erklingen,
hör sie, laß sie zärtlich dich durchdringen.
Lös dich von der Welt,
die dein Herz gefangen hält.
Widerstrebe nicht der unbekannten Macht,
dem dunklen Drängen der Musik der Nacht.

Geh auf Reisen in eine andre Wirklichkeit,
wo die Seele sich reinigt und befreit.
Laß dich treiben, laß alles hinter dir.
Denn erst dann wirst du ein Teil von mir.

Komm und spür den süßen Rausch des Schwebens,
komm und berühr mich, trink vom Quell des Lebens.
Laß den Traum geschehen,
versuche zu verstehen,
welch zärtliche Musik in dir erwacht,
und such mit mir nach der Musik der Nacht.

Nur allein mit dir wird es vollbracht,
mach aus meinem Lied Musik der Nacht.

Der 18.02.2006 war für uns ein ganz besonderer Tag. Wir fuhren nach Essen um uns das Musical "Das Phantom der Oper" von Andrew Lloyd Webber im Colloseum anzusehen. Wir, das sind meine Frau und ich. Die Karten (sehr gute!!) waren ein Weihnachtsgeschenk unserer Kinder.
Über die Handlung waren wir durch eine kurze Beschreibung im wesentlichen informiert.
.
Wir fuhren mit dem eigenen Pkw und kamen leider aufgrund eines schweren Unfalls in einen längeren Stau.Das beunruhigte uns schon ein wenig, wir wollten doch nicht zu spät kommen. Dann in Essen fanden wir nicht gleich das Colloseum, bzw. das entsprechende Parkhaus (wir sind ja schließlich vom Lande....)

Beeindruckend war die Eingangshalle des Colloseums, das früher eine Fabrikhalle gewesen ist, heute ein modernes und wie man sagt, eines der schönsten und interessantesten Theaterhäuser Deutschlands.

Das Foyer war, wie nicht anders zu erwarten waren bereits durch viele Menschen gut bevölkert, die sich ebenso interessiert und staunend wie wir in der Halle umsahen, nachdem sie ihre Garderobe fortgebracht hatten.. Das
Das Ambiente, aus modernen Plastiken und Bildern war für mich so beeindruckend, nahm mich rasch so gefangen , dass ich fast die Anwesenheit meiner Frau vergaß, und begeistert mit dem Fotografieren begann.

Ich fange gerne besondere "Schnappschüsse" ein. Plötzlich hatte ich die große weiße Hand einer Plastik im Sucher, und -Glück muss man haben- durch Zufall war genau der Kopf eines Mannes darin (Rein optisch, versteht sich !!). Abgedrückt!

Ich überlege mir noch heute einen passenden Titel für dieses Foto, vielleicht hat jemand einen Vorschlag?

Aber die Vorstellung sollten ja bald beginnen. Wir suchten und fanden unsere Plätze. Neben mir waren 3 Plätze frei . Da blieb es nicht aus, dass ich sofort an meine 3 Töchter denken musste, die gerne mitgekommen wären, sich dies aber ohne vorbestellte Karten nicht getraut hatten.
Da ich immer auf diese Stühle gedankenvoll schaute, sprach mich schließlich die Dame auf dem 4. Sessel an, und ich erklärte ihr meine Gedanken. Sie lächelte verständnisvoll, und in der Pause und am Ende der Vorstellung schauten wir uns nochmals lächelnd an. Die leeren Plätze wurden übrigens im letzten Moment von jungen Leuten besetzt.

In den letzten Jahren, wir haben nunmehr die Zeit dafür, besuchten wir verschiedene Musicals und andere Showveranstaltungen.
Gestehen muß ich, dass ich damit einen Kindheitstraum nachhole. Es war immer mein Wunsch, ein Sänger oder Schauspieler zu werden. Aus verschiedenen Gründen, wurde mir dieser Traum jedoch nicht erfüllt, und aus Geldmangel konnte ich selten Opern, Operetten o.ä. besuchen
Dass ich als "Theaterliebhaber"nun also schnell ganz gefangen von der Atmosphäre war und mich verloren gab in "meiner Welt, wen wundert es? Nun hatte mich mein Kindheitstraum mit aller Macht wieder eingeholt, und ich vergaß alles um mich herum (naja, fast, meine Frau nicht ganz.....)

Für diejenigen, die die Handlung des Musicals nicht kennen eine kurze Zusammenfassung:

Wir wurden in das Jahr 1881 nach Paris "entführt...
Tief unten in den Katakomben der Pariser Oper fristet das geheimnisvolle
Phantom ein unheimliches und einsames Dasein. Von den Menschen gefürchtet,verbirgt die mächtige, mystische Gestalt ihr entstelltes Gesicht hinter einer Maske. Das Phantom verliebt sich in die Ballett-Tänzerin Christine, die durch ihn zum gefeierten Star der Pariser Oper wird. Seine Hingabe lockt ihn aus seinem unterirdischen Versteck in eine Beziehung, welche die junge Frau zu einer schicksalhaften Entscheidung zwingt......

Die nun folgende Vorstellung kann ich natürlich nur subjektiv und für mein Gefühl nur sehr unzureichend schildern, ich will es trotzdem versuchen, auch wenn ich glaube,
dass ich mit meinen Möglichkeiten vielleicht nicht wirklich vermitteln, kann, welch ein bewegendes Erlebnis es für uns war.

Kunst, wie auch die Musik, wird sicher nicht von jedem gleich erlebt, und so lassen sich die tiefen persönlichen Gefühle, Empfindungen, wohl nur sehr unzureichend wiedergeben mit meinen Worten, aber versuchen möchte ich es trotzdem.
Es waren einfach so, dass meine Gedanken, Beobachtungsfähigkeit, mein Gehör, Geruchssinn und meine Auffassungsvermögen, ja eben alle Sinne, die mir zur Verfügung stehen, durch das "Phantom der Oper" unmittelbar angesprochen wurden

Das Licht erlosch, der Vorhang öffnete sich....und ich war enttäuscht.
Ein recht düsteres Bühnenbild! Menschen in einfacher Kleidung, kranke, alte Menschen, zum Teil im Rollstuhl, mit ihrem Pfleger bevölkerten die Bühne. Ein Auktionator, bot mit monotoner Stimme verschiedene Gegenstände an. Zuletzt eine Spieluhr, die von einem alten, im Rollstuhl sitzenden Mann, für eine hohe Summe ersteigert wurde.
Im Vordergrund der Bühne war ein verdecktes großes Objekt, dass eigentlich zu allem ausgesprochen störend wirkte.
Ein mächtiges Knall und ein lauter Einsatz des Orchesters, das verhüllende Tuch wurde weggerissen, was ich sah ließ mich erschrecken!



Das Bühnenbild veränderte sich es wurde bunt und quirlig, mit vielen Menschen , einem Chor, der laut sang! Ein Bild, das einer Opernaufführung des neunzehnten Jahrhunderts sehr ähnelte. Das unter dem Tuch Verborgene..........., war der große Kronleuchter, der nun über dem ganzen "Geschehen" hing.

Wir wurden in das Jahr 1881 nach Paris "entführt...
Tief unten in den Katakomben der Pariser Oper fristet das geheimnisvolle
Phantom ein unheimliches und einsames Dasein. Von den Menschen gefürchtet und lange Zeit für tot gehalten , verliebt sich das Phantom in die Ballett-Tänzerin Christine, die in ihm seinen Musen-Engel sieht und durch ihn zum gefeierten Star der Pariser Oper wird... die mächtige, mysteriöse Gestalt, ihr entstelltes Gesicht hinter einer Maske. Das Phantom verliebt sich in die Ballett-Tänzerin Christine, die in ihm seinen Musen-Engel sieht und durch ihn zum gefeierten Star der Pariser Oper wird. Eines Tages steht sie ihrem "Engel" in den Katakomben gegenübersteht und als die Maske fällt, sie erkennen dass die Muse das Phantom der Oper ist, ein Mann mit eine furchtbar entstellten Gesicht. Christine darf zurück an die Oberwelt, soll aber dem Phantom versprechen für immer nur ihm zu gehören Doch ihr Herz hat bereits ein anderer erobert - Raoul, der Vicomte de Chagny. Ihm will sie nicht entsagen.

Verzweifelt versucht das Phantom durch unvorhersehbare Taten ans Ziel seiner Liebe zu gelangen. selbst vor Mord schreckt es schließlich nicht mehr zurück.

So wir die unbarmherzige Jagd auf das Phantom eröffnet. Diese aber entführt erneut Christine in die Katakomben und stellt sie vor die Wahl: Entweder sie bleibt für immer bei ihm - oder aber Raoul wird sterben.

Als nach einiger Zeit zum ersten mal das Phantom erschien und mit Christine, die wohl bekannteste Arie sang
"Lös dich von der Welt, die dein Herz gefangen hält"
musste ich spontan an Peter Hofmann denken, der diese Rolle vor ca 15 Jahren in Hamburg gesungen hatte und an seine Partnerin Anna Maria Kaufmann, die damit beide zu Weltruhm gelangten.
Peter Hofmann hat heute Parkinson und kann nicht mehr auftreten, er ist gewissermaßen selbst einem Phantom der Oper geworden . Ich weiß, dass meine Gedanken vielleicht nicht einfach zu verstehen sind, aber ich versuche jetzt, mit P.H. darüber ins "Gespräch" zu kommen.

Mit diesen Gedanken befasst und von der weiteren Aufführung völlig in Beschlag genommen, war ich so "beschäftigt", dass mir die Pause wie eine "Erlösung" vorkam.
Aber es störte mich, das die Besucher rauchten, über ganz andere Dinge sprachen, über Witze lachten........
Wir mieden die Menge, meine Frau und ich schauten uns die Bildergalerie an, von der ich auch einige Fotos machte.


Nach der Pause begaben wir uns wieder auf unsere Plätze, dabei nützte ich die Gelegenheit noch einige Aufnahmen in den Orchestergraben zu machen, von den Scheinwerfern, den Stuhlreihen und besonders dem Kronleuchter, der herabgestürzt war und nun vor dem Vorhang lag.(Das Phantom hatte schriftlich angekündigt, dass großes Unglück passieren wird, wenn sein Theater verändert werden würde----dieses war das erste Unglück)
Im zweiten Teil nahm das Geschick seinen Lauf bzw. die Handlung strebte dem Höhepunkt entgegen, aber ich war so mit meinen Gedanken beschäftigt, dass ich sie mehr oder weniger nur noch optisch wahrnehmen konnte.
Heute verstehe ich, aus welchem Grund sich Musikfreunde manche Aufführungen mehrmals anschauen....

Es waren tiefe Eindrücke, die ich mitnehmen durfte, aber ich habe auch festgestellt, jeder sieht und hört für sich.

Meine Frau hat dieses Musical etwas anders "erlebt" als ich. Sie sagte mir, dass ihr "Starlight" oder "König der Löwen" besser gefallen habe.....für sie war es "leichter zu verdauende Kost".
Nun würde ich mich freuen, wenn es jemanden gäbe, der dieses Musical auch gesehen hat und über den Inhalt schreiben könnte,
Wem es möglich ist, nach Essen zu kommen, dem kann ich nur empfehlen, sich dieses Musical unbedingt anzuschauen!



Ein Beitrag von Jost