Hansestadt und Alsterschwäne

Hansestadt und Alsterschwäne

Fragt jemand einen Hamburger , wie lange die Stadt noch Hansestadt bleiben wird, dann wird die Antwort lauten: solange es noch die Alsterschwäne gibt.
Diese Verbindung des Schicksals der Stadt mit dem der Schwäne geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als die Stadtväter glaubten, solange Schwäne auf der Alster schwimmen würden bliebe Hamburg Hansestadt.
So wurden die Alsterschwäne unter den besonderen Schutz der Bürgerschaft gestellt. Daher verwundert es nicht, dass seit jener Zeit genau seit 1591 - die Schwäne auch gefüttert werden mit Gerste und Hafer; und mit Hilfe eines "Schwanenvaters" im Winter auch von ihrem Hauptquartier, der Alster , in ein eisfrei gehaltenes Gewässer im Norden Hamburgs gebracht werden, um das Überleben zu sichern, übrigens per Bootsfahrt.

Die Alster ist obwohl mit nur 56km Länge ein eher kurzer, so doch einer der bekanntesten Flüsse Deutschlands. Sie entspringt nördlich von Hamburg und sammelt sich inmitten der Stadt zu einem Fluss- und Seen(Bassin)-system, das unter anderem dazu beiträgt, das Hamburg mit 2600 Brücken mehr Wasserquerungen hat als Venedig.

Im Sommer ist die Alster in weiten Bereichen schiffbar für die Alsterflotte, jene kleinen weißen Ausflugsdampfer, die Segelboote und zahlreichen Ruderboote und eben für die zahllosen Schwäne. Im Winter jedoch kann es sein, dass diese Bassins, auch bekannt als Aussen-Alster und als Binnen-Alster, zufrieren. Bei starkem Frost wird die Eisdecke so dick, dass man auf dem über 190ha grossen See ein Volksfest abhalten kann, das Alstervergnügen, mit vorwiegend kleinen Buden, die zum Verzehr von Gegrilltem, Süssen oder Gebäck und dem Genuss von Glühwein einladen.
Aber für die Schwäne ist das natürlich keine überlebbare Wetterlage. Daher kommt der Schwanenvater Olaf Nieß im Herbst mit einer großen Schute, einem offenen Boot, und fängt bewaffnet mit festen Handschuhen die Schwäne ein, lädt sie in sein Boot und bringt sie übers Wasser zu dem eisfrei gehaltenen Mühlenteich in Eppendorf, im nördlichen Hamburg, wo die Schwäne zusammen mit vielen anderen Wasservögeln überwintern. In der zweiten Aprilhälfte werden sie dann zurückgebracht und wieder auf die Alster entlassen, wo sie sich in kürzester Zeit wieder ihre Reviere erobern.

Diese Prozedur ist inzwischen fast ein gesellschaftliches Ereignis. Es wird von Schaulustigen vorwiegend am Fleet nahe des Rathauses beobachtet. Dorthin treibt sie der Schwanenvater zunächst um dann seiner Aufgabe nachkommen zu können. Das "Verschicken " der Schwäne, die dabei natürlich auch noch untersucht und markiert werden, findet an einem einzigen Tag statt bei über 130 Schwänen keine leichte und keine schnell erledigte Aufgabe.
Schwäne sind zudem sehr paarbezogen und treu, daher muss auch auf diese Gegebenheiten Rücksicht genommen werden. Bisher jedoch wurde noch kein Schwanenpaar getrennt, auch nicht die schwulen Schwanenpaare, die es bei Schwänen schon lange gibt!
Schwanenvater ist inzwischen auch ein feststehender Begriff in Hamburg, die Aufgabe wird seit Generationen weitergegeben. Der erste Schwanenvater wurde bereits 1818 berufen.
Hamburg hat viel zu bieten, auch so etwas exotisches wie die "Verschiffung" der Alsterschwäne.

Michael